Hebelwirkung Gemeinschaftsverpflegung: So stark profitiert der Ökolandbau von 30 % Bio
Kann die Kantine die Agrarwende vorantreiben? Eine aktuelle Marktstudie aus Baden-Württemberg zeigt, welches enorme Potenzial in der Gemeinschaftsverpflegung (GV) steckt. Schon ein Bio-Anteil von 30 % könnte regionalen Wertschöpfungsketten einen massiven Schub verleihen.
In der Debatte um den Ausbau des Ökolandbaus gilt die Außer-Haus-Verpflegung oft als der entscheidende „Hebel“. Doch wie groß ist dieser Effekt wirklich? Das Ingenieurbüro Ecozept hat in einer umfassenden Studie konkrete Daten für Baden-Württemberg geliefert, die verdeutlichen, welche Mengen der Sektor bewegen kann. Hier den ganzen Artikel nachlesen: Welches Potenzial hat die Außer-Haus-Verpflegung für den Biomarkt?
Wir haben das wichtigste zusammengefasst:
Das 30-Prozent-Szenario: Zahlen, die bewegen
Die Studie berechnete den Bedarf für Kitas, Schulen, Betriebe und Kliniken auf Basis der DGE-Qualitätsstandards. Bei jährlich rund 370 Millionen Essen im Südwesten würde eine 30-prozentige Bio-Quote signifikante Auswirkungen auf verschiedene Produktgruppen haben:
- Kartoffeln: Um den Bedarf von 4.700 Tonnen küchenfertigen Bio-Kartoffeln regional zu decken, müsste die aktuelle Anbaufläche verdoppelt werden.
- Rindfleisch: Ein 30-Prozent-Anteil würde eine zusätzliche Nachfrage nach ca. 1.400 Tonnen Bio-Rindfleisch pro Jahr erzeugen – das entspricht etwa 7.300 Rindern.
- Milch: Der Bedarf läge bei rund 28 Millionen Litern jährlich, was der Milchleistung von etwa 4.500 Kühen entspricht.
- Getreide: Auch hier würden regionale Wertschöpfungsketten durch die kontinuierliche Abnahme gestärkt.
Mehr als nur Fläche: Impulse für die Region
Der Effekt von mehr Bio in der Kantine geht weit über die reinen Hektarzahlen hinaus. Laut Studienautor Dr. Burkhard Schaer entstehen wichtige strukturelle Effekte:
- Investitionen in die Verarbeitung: Für küchenfertige Produkte (Fresh-Cut) braucht es regionale Betriebe zum Waschen, Schälen und Schneiden. Dies fördert mittelständische Verarbeitungs- und Logistikstrukturen.
- Sicherung des Lebensmittelhandwerks: Bäckereien und Metzgereien können als Bindeglieder in die Wertschöpfungskette integriert werden, was ihre Existenz in der Region festigt.
- Sogwirkung: Die Präsenz von „Bio & Regional“ in öffentlichen Einrichtungen wirkt als Vorbild und kann die Nachfrage in anderen Marktsegmenten steigern.
Fazit
Die Daten zeigen: Die Gemeinschaftsverpflegung ist ein mächtiger Motor für die ökologische Transformation. Die Herausforderung besteht nun darin, die Landwirtschaft besser mit dem regionalen Handwerk und den Großküchen zu vernetzen. Gelingt dies, profitiert nicht nur die Umwelt durch mehr Öko-Flächen, sondern die gesamte Region durch eine höhere Wertschöpfung.
Quelle: Welches Potenzial hat die Außer-Haus-Verpflegung für den Biomarkt?