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27. April 2026

Countdown zum Ganztagsanspruch: Jetzt die Weichen für gesundes Schulessen stellen

In 100 Tagen startet stufenweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen. Für Kommunen ist dies weit mehr als eine organisatorische Aufgabe: Es ist die Chance, über eine nachhaltige Schulverpflegung Gesundheit, Bildung und Klimaschutz politisch zu steuern.

Der Handlungsdruck wächst

Ab dem Schuljahr 2026/27 greift der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zunächst für die erste Klassenstufe und wird in den Folgejahren ausgeweitet. Mit dem Ausbau der Betreuung steigt die Anzahl der täglich benötigten Mahlzeiten massiv an. Laut dem Experten Rainer Roehl (a’verdis) ist jetzt der entscheidende Moment für Städte und Gemeinden, strategische Weichen zu stellen, um Qualitätsprobleme und Kostenexplosionen zu vermeiden.

Schulverpflegung als politisches Gestaltungsinstrument

Was in der Mensa auf den Teller kommt, ist eine zentrale kommunalpolitische Entscheidung. Kitas und Schulen sind heute oft der wichtigste Ort, um Ernährungspolitik unmittelbar umzusetzen. Kommunen müssen jetzt klären:

  • Systemwahl: Frischküche vor Ort oder optimierte Anlieferungssysteme?
  • Qualitätsstandards: Verbindliche Orientierung an den DGE-Standards (Deutsche Gesellschaft für Ernährung).
  • Struktur: Aufbau funktionierender Netzwerke zwischen Verwaltung, Schulen und Anbietern.

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Qualität und Nachhaltigkeit: Der „BioBitte“-Ansatz

Damit das Mittagessen von Kindern akzeptiert wird, müssen Geschmack, Atmosphäre und Service stimmen. Inhaltlich empfiehlt die Initiative BioBitte einen klaren Fokus:

  • Pflanzenbetontes Angebot: Reduzierte, aber durchdachte Speisepläne.
  • Bio-Anteil als Standard: Ein Bio-Anteil von mindestens 20 % als Basis, mit dem Ziel, perspektivisch 30 % und mehr zu erreichen.
  • Regionalität: Bevorzugung saisonaler Erzeugnisse aus der Region, um Lieferketten zu verkürzen und die lokale Landwirtschaft zu stärken.

Warum Bio in der Schule? 

Die Integration von Bio-Lebensmitteln in die öffentliche Verpflegung bietet messbare Vorteile:

  1. Umwelt- und Wasserschutz: Ökologischer Landbau verzichtet auf chemisch-synthetische Pestizide und schont das Grundwasser – ein direkter Beitrag zum Klimaschutz und zur Biodiversität.
  2. Gesundheitsförderung: Bio-Lebensmittel sind weniger mit Rückständen belastet und fördern ein Bewusstsein für natürliche Lebensmittelqualität bei Kindern.
  3. Wirtschaftlichkeit durch Optimierung: Entgegen weit verbreiteter Mythen muss Bio nicht teurer sein. Durch weniger Fleischanteil, die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und den Einsatz saisonaler Produkte lassen sich Mehrkosten für Bio-Rohwaren oft vollständig kompensieren.

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3 Schritte für Kommunen in den nächsten 100 Tagen

  1. Politische Priorisierung: Festlegen, welchen Stellenwert die Verpflegung im kommunalen Haushalt und Profil einnehmen soll.
  2. Netzwerkbildung: Alle Akteure (Eltern, Schulträger, Caterer) an einen Tisch bringen.
  3. Markterkundung: Realistische Lösungen finden, die regional verfügbar und wirtschaftlich tragfähig sind.

Fazit: Der Rechtsanspruch ist ein Katalysator. Kommunen, die jetzt handeln, investieren nicht nur in die Infrastruktur, sondern in die Gesundheit der nächsten Generation und in ein zukunftsfähiges Ernährungssystem.

Hintergrund: Die Initiative BioBitte unterstützt Kommunen bei der Einführung und Erhöhung von Bio-Anteilen in der öffentlichen Verpflegung mit Fachwissen und Praxisbeispielen.

Quelle: BioBitte: Noch 100 Tage bis zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung